Fragen an Marcella Bitzan zur Beteiligung an der Lexi-Studie
Die Abteilung Sprachtherapie Bad Griesbach – insbesondere Marcella Bitzan, Leitung der Sprachtherapie und Stephanie Rinder, stv. Leitung, – hat aktiv an der LEXI-Studie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München mitgearbeitet und zur wissenschaftlichen Untersuchung tablet-gestützter Sprachtherapie bei Aphasie – einer erworbenen Sprachstörung – beigetragen. Im Interview erzählt sie über ihre Erfahrungen, Ergebnisse und die Bedeutung für die logopädische Praxis.
Was war die zentrale Fragestellung der LEXI-Studie – und warum war sie aus logopädischer Sicht so relevant?
Marcella Bitzan: In den letzten Jahren haben sich digitale Technologien, meist in Form von Software oder Apps, als sehr vielversprechende zusätzliche Angebote in der Sprachtherapie entwickelt, vor allem auch für Patienten mit Aphasien, also erworbenen Störungen der Sprache. In der Studie ging es speziell um die neolexon-App. Es sollte untersucht werden, ob sprachtherapeutische Standardtherapie plus Training mit der neolexon-App der Standardtherapie alleine überlegen ist. Dazu wurde diese randomisierte klinische Studie von der LMU in München durchgeführt. Wir haben dazu wertvolle Daten geliefert, indem wir bei den Patienten, die der einen oder anderen Gruppe zugeordnet waren, die jeweilige Art der Therapie und die notwendigen Testungen durchgeführt haben.
Welche konkreten Unterschiede haben Sie in der täglichen Therapiearbeit zwischen tablet-gestützter und klassischer Sprachtherapie beobachtet?
Marcella Bitzan: Es gab keine Gruppe, die ausschließlich Tablet-Therapie erhalten hatte. Wie oben dargestellt, war das Üben mit der neolexon-App ein zusätzliches Angebot. Die Studie zeigt potentielle Vorteile für Patienten mit leichten oder mittleren aphasischen Beeinträchtigungen. Das ist, aus unserer praktischen Erfahrung mit den digitalen Angeboten, auch was wir erwarten würden. Schön ist es, diesen Eindruck durch eine Studie bestätigt zu sehen.
Für welche Patient:innen mit akuter Post-Stroke-Aphasie ist tablet-assistierte Therapie besonders geeignet – und wo sehen Sie klare Grenzen?
Marcella Bitzan: Wie gerade erwähnt, zeigt sich das größte Potential für Patienten mit leichten oder mittleren Beeinträchtigungen. Diese sind häufig in der Lage, selbständig am Tablet zu arbeiten und die individualisierten und von der Therapeutin zugesteuerten Übungsinhalte durchzugehen. Klare Grenzen zeigen sich bei Patienten mit schweren Aphasien. Dies beginnt oft schon bei der Handhabung des Tablets, die durch zusätzliche motorische oder kognitive Beeinträchtigungen ohne Hilfe sehr erschwert oder unmöglich ist. Weitere Forschung auf dem Gebiet wird in Zukunft noch mehr Auskunft zum effizienten Einsatz der Technologien bringen.
Welche Bedeutung haben die Studienergebnisse für die zukünftige logopädische Versorgung im Akut- und Rehabilitationsbereich?
Marcella Bitzan: Die gute Nachricht ist, dass sowohl im stationären Setting als auch ambulant die Anwendung der neolexon-App für viele Patienten eine Steigerung der Therapieintensität und der -frequenz bedeutet. Beides trägt zur schnelleren Rückgewinnung der sprachlichen Fähigkeiten bei. Für Betroffene bedeutet das, dass Unabhängigkeit in allen sprachlichen Bereichen und damit die Selbständigkeit und Teilhabe am Alltag leichter erreicht werden kann. Die Übungen werden bei der neolexon-App immer durch eine Therapeutin ausgewählt und bereitgestellt, so dass genau auf dem richtigen Level geübt werden kann.
Was sollten Logopäd:innen und interdisziplinäre Teams aus der LEXI-Studie konkret für ihre klinische Praxis mitnehmen?
Marcella Bitzan: Für sehr viele Patienten sind die neuen digitalen Möglichkeiten, die es nun in für die Sprachtherapie gibt, sehr hilfreich. Therapeutinnen und Therapeuten können wir nur ermutigen, die Technologien in die Therapie einzubeziehen und den Patienten damit zusätzliche Möglichkeiten zu eröffnen, an der Wiedergewinnung der sprachlichen Fähigkeiten zu arbeiten.



