Tanzende Weihnachtskugeln im Ohr: Ursachen und Hilfe bei Lagerungsschwindel
Weihnachten steht vor der Tür und damit auch Lichterglanz, geschmückte Tannen und glänzende Weihnachtskugeln. Wer schon einmal einen Christbaum dekoriert hat, weiß: Die Kugeln müssen sicher hängen. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit reicht und sie rutschen aus der Hand, verlieren den Halt und bringen die festlich geschmückte Ordnung durcheinander. Etwas ganz Ähnliches passiert auch in unserem Innenohr. Denn auch dort hängen viele winzig kleine »Weihnachtskugeln« an dünnen Fäden, die wichtig für unser Gleichgewicht sind. Geraten sie durcheinander, können sie Schwindel auslösen.
Warum Weihnachtskugeln?
»Die sogenannten Otolithen (Lithos = Stein) sind im Prinzip wie Weihnachtskugeln an Fäden«, erklärt Dr. med. Oliver Meier, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Neurologie und Geriatrie im Passauer Wolf Bad Griesbach. »Diese Fäden können reißen. Die Kugel schwirrt dann wie eine Kugel ohne Halterung umher und stört die anderen aufgehängten Steinchen. Das verwirrt das Gleichgewichtssystem – und das Gehirn denkt, man mache einen Salto mortale, während man eigentlich im Bett liegt.« Dieser einprägsame Vergleich hilft zu verstehen, warum der gutartige Lagerungsschwindel so plötzlich auftreten kann – und warum er zwar unangenehm, aber nicht gefährlich ist.
Wie entsteht Lagerungsschwindel?
Löst sich eine der »Kugeln«, kann sie in die Bogengänge des Innenohrs geraten. Besonders häufig betroffen ist der »posteriore« Bogengang. Die Folge: Beim Drehen des Kopfes, beim Hinlegen oder Aufrichten entsteht ein kurzer, heftiger Drehschwindel. Typisch ist auch ein begleitender »Nystagmus« (ein unwillkürliches, ruckartiges Augenflackern), der mit einer sogenannten Frenzel-Brille oder M-Brille (spezielle Brillen mit starken Vergrößerungsgläsern und zum Teil integrierter Beleuchtung) sichtbar gemacht werden kann und ein wichtiges Diagnosemerkmal darstellt. Mindestens ebenso entscheidend ist jedoch auch die gezielte und strukturierte Befragung des Patienten. »Mit den richtigen Fragen lässt sich die Diagnose in den meisten Fällen bereits zu über 80 Prozent richtig einordnen – oft noch bevor zusätzliche Diagnostik notwendig wird«, erklärt Dr. Oliver Meier und ergänzt: »In der Diagnostik prüfen wir außerdem immer, ob ein lageabhängiger Schwindel als Traumafolge vorliegt – zum Beispiel nach einem Sturz, bei dem der Kopf erschüttert wurde. Ein solches Trauma kann dazu führen, dass sich Otolithen lösen und im Innenohr Schwindelsymptome auslösen. Grundsätzlich werden aber natürlich auch ernsthafte Erkrankungen wie ein Schlaganfall sorgfältig untersucht und ausgeschlossen, da diese ebenfalls hinter Schwindelsymptomen stehen können.«
Gute Nachrichten: Die Lösung ist oft einfach
Der Lagerungsschwindel lässt sich in den meisten Fällen schnell und effektiv behandeln – oft schon innerhalb weniger Minuten. »Durch sogenannte Befreiungsmanöver – spezielle Bewegungsabläufe für Kopf und Körper – können die frei umherschwirrenden Steinchen wieder aus dem Bogengang befördert werden«, so Dr. Oliver Meier. »Manchmal lösen sie sich sogar komplett auf – und damit auch die Beschwerden.« Denn so wie die Weihnachtskugeln am Christbaum erst dann richtig glänzen, wenn sie ihren Platz gefunden haben, müssen auch die kleinen Steinchen in unserem Ohr wieder zurück an ihre Position, damit wir im Gleichgewicht bleiben.



