5 Fragen an: Robert el Fahem-Krummradt, Therapieleiter beim Passauer Wolf Bad Gögging

(veröffentlicht am 31.03.2021)

Therapeuten des Passauer Wolf beantworten unsere Fragen

Als Teil des Teams unterstützen Therapeuten die Patienten auf dem Genesungsweg, verhelfen zu mehr Mobilität und Selbstständigkeit. Gäste verbringen während der Reha meist viel Zeit mit ihnen. Das macht sie neben den Ärzten zu wichtigen Ansprechpartnern und Vertrauten. Robert el Fahem-Krummradt, Therapieleiter beim Passauer Wolf Bad Gögging, beantwortet heute einige Fragen aus dem Arbeitsalltag eines Therapeuten.

1. Die Therapie spielt eine zentrale Rolle in der Reha. Wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen Therapeuten, Ärzten und Pflegern im interdisziplinären Team?

Robert el Fahem-Krummradt: »Um unsere Gäste während der Reha effektiv begleiten zu können, ist der regelmäßige, systematische Austausch im multiprofessionellen Team eine elementare Voraussetzung. Gemeinsam besprechen wir die mit dem Patienten festgelegten Rehaziele: Die einzelnen Professionen –also Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte – stimmen sich ab, damit alle Abläufe sinnvoll ineinandergreifen und wir den Patienten so erfolgreich auf dem Genesungsweg begleiten. Diese Abstimmung findet wöchentlich statt und erlaubt es uns auch, die Behandlung bei Bedarf anzupassen. Unser Ziel: Dass der Patient nach der Reha seine Selbstständigkeit wiederfindet.«

2. Wie sieht der Alltag eines Therapeuten aus?

Robert el Fahem-Krummradt: »Der Alltag eines Therapeuten richtet sich immer nach dem Behandlungsplan, der zentral in der Therapieplanung erstellt wird. Hiermit wird quasi der Tagesablauf festgelegt. Ärzte und aufnehmende Therapeuten senden ihre Behandlungsvorschläge an die Therapieplanung. Dies dient als Basis für den individuellen Therapieplan, den jeder Patient erhält, auf Wunsch auch digital über die App. Beim ersten Kennenlernen erstellt der Therapeut eine spezifische Befundung, und wählt geeignete Assessments aus, um das Behandlungsergebnis zu überprüfen oder den Behandlungserfolg zu dokumentieren. Der Therapeut hat im Verlauf einer Rehabilitation nicht nur Einfluss auf die Therapieinhalte, sondern gestaltet mit seiner Erfahrung auch die Therapiesteuerung, z.B. indem er die Häufigkeit der Therapien anpasst. Zusätzlich ist er erster Ansprechpartner bei der Hilfsmittelversorgung. Sollte ein Patient pflegebedürftig sein, unterstützt der Therapeut auch Angehörige, indem er ihnen zeigt, wie sie die Therapie zu Hause fortführen können.«

3. Was ist ihr liebstes Trainingsgerät/Hilfsmittel?

Robert el Fahem-Krummradt: »Für einen Therapeuten sind stets seine eigenen Hände das liebste »Trainingsgerät«. Mit meinen Händen kann ich an den Stellen, wo es der Patient am meisten braucht, unterstützen. Hände können die Stabilität des Patienten fördern und ihn mit Aktivität fordern. Und Hände können auch zum richtigen Zeitpunkt loslassen und dem Patienten seine Selbstständigkeit wiedergeben.

Daneben gibt es natürlich eine ganze Reihe an unterstützenden technischen Trainingsgeräten, die die Arbeit der Therapeuten erleichtern und intensivieren.

Mein Lieblingsgerät ist hier der Gangroboter Lyra, den wir seit 2018 im Passauer Wolf Bad Gögging nutzen. Damit trainieren Gäste mit unterschiedlichen Funktionseinbußen das Gehen. Der Patient wird, abgesichert mit tragenden Gurten, in den aufrechten Stand gebracht. Über die im Gerät fixierten Füße initiiert der Gangroboter dann ein natürliches Gangmuster. Wir erzielen mit der Lyra eine so hohe Anzahl an Wiederholungen, die mit einem gewöhnlichen Gangtraining auch mit Laufband nicht erreicht werden könnte. Bei diesem Training wird das Gangzentrum im Gehirn aktiviert. Der Gast erlebt – in manchen Fällen das erste Mal seit Jahren – wieder, wie sich natürliches Gehen anfühlt.«

4. Wie schafft man es, bei einer Tätigkeit, bei der Nähe so wichtig ist, auch während der Pandemie sicher zu arbeiten?

Robert el Fahem-Krummradt: »Unsere Gäste auch in dieser Situation sicher und effektiv begleiten zu können, hat uns im Bereich der Therapie vor besondere Herausforderungen gestellt, die wir aber dank unseres Hygiene- und Sicherheitskonzepts gut bewältigen können.

Bei einigen Methoden ist es möglich, auch mit Abstand vollumfänglich Therapien durchzuführen und die Aktivierung der Patienten erfolgreich umzusetzen. Daneben gibt es aber natürlich viele Bedarfe und Situationen, in denen die Therapeuten allein aus Gründen der Sturzprävention sehr nah sein müssen, um den Patienten zu unterstützen. Wo Nähe unvermeidbar ist, schützen strenge Hygieneregeln, FFP2-Masken und regelmäßige Tests.

Die Impfangebote, die von den Mitarbeitern sehr gut angenommen werden, haben uns in den letzten Monaten ein zusätzliches Maß an Sicherheit gegeben.«

5. Können Sie uns ein Beispiel für eine Therapiemethode geben, und bei welchen Krankheitsbildern diese angewendet wird?

Robert el Fahem-Krummradt: »Beim Passauer Wolf setzen wir viele unterschiedliche Therapiemethoden ein, um unseren Gästen ein Behandlungsspektrum anbieten zu können, das an ihre Bedürfnisse angepasst ist. Dazu zählen »klassische«, aber auch moderne Therapiemethoden. Unsere qualifizierten Therapeuten besuchen regelmäßig Fortbildungen, um sich weiterzubilden und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in die Therapie einbeziehen zu können.

Als eine von wenigen Rehakliniken bieten wir zum Beispiel die E-Technik, oder Hanke-Therapie, an. Das ist eine neurophysiologische physiotherapeutische Behandlungsmethode auf entwicklungskinesiologischer Basis. Die Methode ist ein eigenständiges, an Haltung und Bewegung orientiertes Therapieprogramm und wird bei Erkrankungen des Nerven- und Bewegungssystems angewandt. Bei der E-Technik wird das Nervensystem gezielt stimuliert. Dabei werden ein Zuviel oder Zuwenig an Muskelspannung ausgeglichen, verlorengegangene Bewegungen und Haltungsmechanismen wiederentdeckt und dann im Alltag genutzt.«