Woher wissen eigentlich Tiere, was ihnen guttut? Tiere sind der Natur verbunden, in der Selbstfürsorge überlebenswichtig ist. Sie erkennen instinktiv, was wohltuend für sie ist. Was könnten sich Menschen von den tierischen Wellness-Praktiken abschauen?
Wenn Wildschweine den Waldboden mit ihren Rüsseln auflockern, um so an die leckeren Eicheln, Bucheckern, Würmer oder Wurzeln zu kommen, denken sie nicht an das Wetter von morgen. Sie graben und fressen – nichts weiter. Tiere kennen keine To-do-Listen: Wenn sie jagen, jagen sie. Wenn sie schlafen, schlafen sie. Tiere leben im Hier und Jetzt.
IM AUGENBLICK LEBEN
Ein Spaziergang in der Natur bietet viele Gelegenheiten, sich selbst im Hier und Jetzt wahrzunehmen: Sie spüren den sanften oder frostigen Wind, sehen die Hagebutten orangerot in den Sträuchern leuchten, entdecken Marienkäfer, die auf der Suche nach ihrem Winterquartier eine Pause einlegen.Vielleicht heben Sie einen Kiefernzapfen auf? Ist er bemoost? Liegt der Duft von Heu oder Harz in der Luft? Atmen Sie tief und ruhig. Spüren Sie, wie sich die Schultern entspannen? Das Herz ruhiger schlägt? Ein wohliges Gefühl breitet sich aus. Nehmen Sie dieses Gefühl mit nach Hause oder ins Büro. Sollte sich Stress anschleichen, lehnen Sie sich zurück, schließen die Augen und gönnen sich ein paar Minuten tief atmend im Hier und Jetzt.
ACHTSAM IM HIER UND JETZT
Der TK-Stressreport 2025 belegt es: Zwei Drittel der Menschen in Deutschland fühlen sich manchmal oder häufig gestresst. Tendenz steigend – die Welt liefert Krisen genug. Doch Menschen reagieren nicht nur auf Stress, sondern auch auf Entspannung. Deshalb lohnt es sich, sich selbst immer wieder freundlich, achtsam in den Blick zu nehmen: Achtsamkeit kann man trainieren. Planen Sie täglich fünf bis fünfzehn Minuten, in denen Sie Ihre Aufmerksamkeit auf sich selbst lenken, auf Ihre Atmung, auf Ihre Körperempfindungen, beobachten Sie Ihre Gedanken und Gefühle – ohne sie zu bewerten. So entziehen Sie negativen Gedanken und Gefühlen allmählich die Kraft, über Ihr Leben zu bestimmen.
EIN BEWEGTES LEBEN
Der größte Bewegungstreiber wilder Tiere ist die Nahrungssuche. Füchse oder Wölfe jagen durchs Revier.Wildschweine wühlen den Waldboden auf, um an ausreichend Wurzeln, Kastanien und Insekten zu kommen. Klar, dass sie dabei auch Strecke machen. Menschen hingegen müssen weder jagen noch die Erde rüsselnd durchpflügen, um ihren Hunger zu stillen. Nach einer Umfrage der Deutschen Krankenversicherung 2025 verbringen die Bundesbürger:innen an einem Arbeitstag zehn Stunden sitzend. Davon thronen sie etwa dreieinhalb Stunden am Arbeitsplatz, lümmeln zweieinhalb Stunden vor dem Fernseher und anderthalb Stunden vor dem Computer. Die ernsthaften Folgen: Die Vitalität lässt nach, Kreislauf und Durchblutung verlangsamen sich, die Atmung wird flacher. Die verminderte Sauerstoffzufuhr verursacht Müdigkeit und Konzentrationsschwäche. Man schläft nicht mehr so gut. Herz- und Kreislauferkrankungen, Adipositas oder Diabetes mellitus Typ 2 drohen. Der einzige Ausweg: Aufstehen! Ignorieren Sie jeden Lift, steigen Sie eine Station zu früh aus dem Bus und gehen Sie die letzte Etappe zu Fuß oder lassen Sie den Bus gleich links liegen und fahren mit dem Fahrrad ins Büro oder zum Einkaufen.
ZUGEHÖRIG SEIN
Natürlich gibt es im Tierreich auch Einzelgänger. Aber einer Gruppe, Rotte oder einem Rudel anzugehören, bietet klare Vorteile. Etwa beim Jagen. Die Zusammenarbeit im Rudel erlaubt es beispielsweise Wölfen, Beutetiere zu erlegen, die wesentlich größer sind als sie selbst. Dabei führen oft die Alttiere den Angriff, während die jüngeren die Beute hetzen, umzingeln oder Fluchtwege abschneiden. Ist eine Wölfin im fortgeschrittenen Stadium trächtig, hält sich das Rudel wachsam in der Nähe der sogenannten Wurfhöhle auf. Soziales Verhalten schützt, hilft bei der Aufzucht des Nachwuchses und macht die Jagd effizienter. Zugehörigkeit gibt auch uns Menschen Halt, Sicherheit und innere Stärke. Soziale Kontakte, Kooperationen und Freundschaften sind ein Schlüssel zu einem erfüllten Leben. Spielend, kooperierend, feiernd oder lernend miteinander Zeit zu verbringen, macht gute Laune, ermutigt, reduziert Stress, hilft auch durch dunkle Zeiten. Falls Ihnen auffällt, dass Sie schon lange nichts mehr mit Freund:innen, Kolleg:innen oder Angehörigen unternommen haben, werden Sie aktiv, laden Sie zum gemeinsamen Wandern, Kaffeetrinken, zum Spieleabend ein. Selbstfürsorge hilft, schafft auch Raum für erfüllende Begegnungen und ist schon deshalb keineswegs egoistisch.
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