Seit September 2025 ist Dr. med. Henning Lange neuer leitender orthopädischer Facharzt in der Passauer Wolf City-Reha Ingolstadt. Er bringt nicht nur umfassende Erfahrung aus der Akutmedizin, dem Praxisbetrieb und der Betreuung von Profisportler:innen mit, sondern ergänzt etablierte Behandlungsweisen auch mit anderen, ganzheitlichen Methoden, wie Manuelle Medizin. Mit uns hat Dr. Lange über die wahrscheinlich älteste medizinisch-therapeutische Methode gesprochen.
Was versteht man unter Manueller Medizin, Herr Dr. Lange? Und worin sehen Sie die Vorteile für die Patient:innen während der Rehabilitation?
In der Manuellen Medizin nutzen der Arzt oder die Ärztin die Hände, um Funktionsstörungen des Bewegungsapparates zu diagnostizieren und zu behandeln. Ohne aufwändige Technik oder invasive Eingriffe können Funktionsstörungen manuell diagnostiziert und behandelt werden. Das macht die Manuelle Medizin schonend, individuell und direkt. Und für Patient:innen auch unmittelbar spürbar.
Was begeistert Sie besonders an der Manuellen Medizin?
Diagnostik und Therapie liegen in der Manuellen Medizin sehr nahe beieinander: Mit den Händen lassen sich Bewegungseinschränkungen und Irritationspunkte ertasten und oft auch direkt behandeln. Diese Verbindung von Untersuchung und direktem Wirken mit den Händen schafft eine besondere Nähe zwischen ärztlichem oder therapeutischem Behandelndem und Patient:in. Es ist jedes Mal ein gutes Gefühl, wenn sich eine Einschränkung durch gezielte manuelle Techniken unmittelbar verbessert.

In der Sportmedizin steht ja die schnelle Wiederherstellung der Funktionalität im Fokus. Welche manuellen Techniken setzen Sie bei Profisportler:innen ein, und wo liegen die Unterschiede zur Behandlung von Reha-Patient:innen?
Profisportler:innen bringen ein ganz anderes Profil mit als typische Reha-Patient:innen. Sie sind meist jünger, kräftiger und körperlich sehr gut trainiert. In der Manuellen Medizin kommen zwei Haupttechniken zum Einsatz: Bei der Mobilisation wird ein Gelenk langsam und wiederholt bewegt, um die Beweglichkeit zu verbessern. Bei der Manipulation erfolgt ein kurzer, schneller Impuls am Ende der Bewegung, um eine Blockade zu lösen. Bei Sportler:innen kommt die klassische Manipulation häufiger zur Anwendung, weil das Gewebe stabiler und belastbarer ist. Während bei Reha-Patient:innen meist die schonende Mobilisation im Vordergrund steht.
In Zeiten zunehmender Technologisierung: Sehen Sie das Potenzial, die Manuelle Medizin mit moderner Robotik zu vereinen?
Der direkte Kontakt von Mensch zu Mensch, der die Manuelle Medizin ausmacht, lässt sich meiner Ansicht nach gut ergänzen durch evidenzbasierte, technisch unterstützende Therapiesysteme. Die Vorteile der Technologisierung sehe ich auch in weiteren Einsatzbereichen. So könnten Digitalisierung und Künstliche Intelligenz beispielsweise bei der Dokumentation und Organisation wesentlich entlasten, damit die ärztliche Zeit besser dort eingesetzt werden kann, wo sie gebraucht wird: bei den Patient:innen.
Bildnachweis: berliberlinski.de, Adobe Stock






















