Selbstfürsorge und wilde Tiere – passt das zusammen? Tatsächlich haben Wildtiere einen ausgeprägten Sinn fürs eigene Wohlbefinden – es ist schlicht überlebenswichtig. Die schönste Wellnessoase für Wildschweine ist zum Beispiel die Suhle: In sumpfigen Bodenvertiefungen fühlen sich die Schwarzkittel einfach sauwohl. Sie rollen und wälzen sich genussvoll im Schlamm, der im Sommer kühlt und auch Juckreiz lindert. Ist die Schlamm-Maske angetrocknet, wird sie an Baumstämmen sorgfältig abgescheuert. Dabei werden lästige Parasiten oder alte Borsten aus dem Fell gebürstet. Und die Durchblutung freut sich auch. Beim Scheuern hinterlassen Wildschweine Duftstoffe an den Bäumen, die das Revier markieren und der Rotte Orientierung geben.
Fast alle freilebenden Tiere pflegen hingebungsvoll ihr Feder- oder Haarkleid. Manche, etwa Wölfe, helfen sich gegenseitig, um auch schwer erreichbare Stellen von Parasiten, Verfilzungen oder altem Fell zu befreien. Das gegenseitige Putzen, Knabbern und Beißen ist ein enormer Vertrauensbeweis und stärkt den sozialen Zusammenhalt in der Rudelgemeinschaft. Um flugfähig zu bleiben und sich vor Kälte und Nässe zu schützen, legen auch Vögel auf die Gefiederpflege größten Wert. Sie nutzen Sand- oder Wasserbäder, entfernen schüttelnd Parasiten, bringen Federn mit dem Schnabel in Form und fetten sie mit einem Sekret aus der Bürzeldrüse. Einige von ihnen, etwa Eichelhäher, Krähen oder Stare gönnen sich auch ein Bad im Ameisenhaufen. Die Ameisensäure tötet Milben, Läuse und Zecken und wirkt gegen Pilze und Bakterien. Natürlich gehört in freier Wildbahn ein wesentlicher Teil des Tages- oder Nachtprogramms der Nahrungssuche. Jagend, wühlend oder pickend durchstreifen Wildtiere das Revier. Doch achtet jede Art auf das ihr gemäße Verhältnis zwischen Aktivitäts- und Ruhephasen. Wildschweine einer Rotte graben im wind- und sichtgeschützten Unterholz sogenannte Schlafkessel, Bodenmulden, die sie mit Gras, Blättern, weichen Zweigen polstern – nicht etwa aus Komfortgründen, sondern der Isolation wegen. Wer mit wem in welchem Kessel schläft, ist genau festgelegt. Dass es bisweilen im Schlafkessel ein wenig eng zugeht, ist im kalten Winter ein Segen. Aber kuscheln ist natürlich auch zu jeder anderen Zeit ein sozialer Gewinn.
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