Die Innere Medizin ist ein Kerngebiet der Medizin. Sie befasst sich mit dem Aufbau, der Funktion und den Erkrankungen sämtlicher Organsysteme unseres Körpers – ein gewaltiges Fachgebiet. Medizinische Laien tun sich schon schwer, die inneren Organe im Körper korrekt zu verorten – wie eine Studie zeigt, die unter Beteiligung der Universität Bielefeld und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf entstanden ist: Abhängig vom Bildungsstand, aber auch vom Stadt-Land-Gefälle konnten nur etwa 30 bis 50 % der Teilnehmer:innen innere Organe wie Lunge, Nieren, Leber oder Darm exakt lokalisieren. Immerhin: Das Gehirn und das Herz wurden dabei am ehesten richtig verortet. Vielleicht, weil schon in der Antike im Herzen oder Gehirn die Wohnstatt der Seele vermutet wurde? Während Aristoteles im Herzen den Sitz der Seele sah, favorisierte Hippokrates das Gehirn als Seelenheimat.
Ein poetisch aufgeladenes Organ
Das Herz ist bis heute weit mehr als ein Muskel aus Fleisch und Blut. Es ist mit poetischen, metaphysischen, emotionalen Vorstellungen aufgeladen und so auch bis heute im alltäglichen Sprachgebrauch präsent: Einem Menschen kann das Herz in die Hose rutschen oder gebrochen werden. Man kann sich etwas zu Herzen nehmen oder sich ein Herz fassen. Ein Mensch kann seinem Herzen einen Stoß geben, etwas auf dem Herzen haben oder sein Herz ausschütten … Der Fuchs in Saint-Exupérys philosophischer Erzählung »Der kleine Prinz« sagt: »Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. « Liebe und Leben sind mit dem schlagenden Herzen verbunden. Lange Zeit galt der Puls als »Sprache des Herzens«.
Ein Bild von einem Herzen
Vermutlich geht die stilisierte Herzsymbolik auf antike Darstellungen von Efeublättern zurück. Über Kletterwurzeln ist der Efeu fest verbunden mit Bäumen und Mauern und gilt als Symbol unzerstörbarer Freundschaft, Treue und Liebe. In der Antike wurden Brautpaare mit Efeuzweigen beschenkt. Als immergrüne Pflanze steht Efeu auch für Hoffnung, Regeneration und Unsterblichkeit. Im alten Ägypten, vor allem in den Privatgräbern von Theben-West, schmücken Efeudekorationen Gräber und Beigaben. Die Griechen weihten die Efeupflanze auch den Musen und Dionysos, dem Gott des Weines und der Ekstase. Dichter und Gelehrte wurden mit Efeu bekränzt. Bei rauschenden Festen trug man Dionysos zu Ehren üppigen Efeu-Kopfschmuck – wohl auch, um die Folgen übermäßigen Alkoholkonsums zu mildern. Der Erfolg dieser Maßnahme darf allerdings bezweifelt werden.

Mit Herz und Verstand
Interessanterweise lässt sich auch im Querschnitt des Herzens das Herzsymbol erkennen. Diese Sicht war allerdings lange Zeit nur sehr, sehr wenigen Forscher:innen möglich. Zu ihnen gehörte Galen von Pergamon, der bedeutendste Arzt des klassischen Altertums. Als Gladiatorenarzt mit enormem anatomischem Interesse und gestützt durch Vivisektionen an Tieren entwickelte er eine erste Theorie zum Blutkreislauf, die spätere Forschungen allerdings korrigierten. Durch viele Jahrhunderte der Beobachtung, Forschung und des technischen Fortschritts kann die Kardiologie heute eine beispiellose Erfolgsgeschichte erzählen.
Unser Herz, ein Schwerstarbeiter
Etwa faustgroß ist unser Herz. Das männliche Herz wiegt ca. 300 Gramm, Frauenherzen etwa 250. Bei Menschen, die Ausdauersport treiben, kann das Herz sogar bis zu 500 Gramm schwer werden. Pro Minute schlägt es im Ruhezustand etwa 60- bis 80-mal, also 4.200-mal pro Stunde, 100.000-mal an einem Tag. Dabei pumpt es gut 7.000 Liter Blut durch unseren Körper. Über große und dann feiner werdende Arterien bis hin zu haarfeinen Kapillargefäßen versorgt das mit Sauerstoff angereicherte Blut alle Zellen unseres Körpers. Dabei kommt es zum wichtigen Austausch: Die Zellen nehmen den Sauerstoff auf und geben Kohlendioxid an das Blut ab. Jetzt ist es sauerstoffarm und fließt über das Venensystem zum rechten Vorhof und dann in die rechte Herzkammer. Von hier aus wird das Blut in die Lunge transportiert, wo es das Kohlendioxid abgibt und Sauerstoff aufnimmt. Als sauerstoffreiches Blut fließt es zum linken Herzen und von hier aus wieder in den Körperkreislauf.
Herzschmerz
Unser Herz ist ein durchaus robustes Organ, doch kann es auch Schaden nehmen. So leiden etwa 30 Millionen Bundesbürger:innen an Bluthochdruck, wie die Techniker Krankenkasse meldet. Dabei kann der dauerhaft erhöhte Druck in den Blutgefäßen die Gefäßwände schädigen und das Risiko für alle anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.
Der Ausdruck Herzschwäche besagt, dass das Herz den Körper nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgen kann – oft eine Spätfolge von Infarkten oder Bluthochdruck. Verengen Ablagerungen, sogenannte Plaques, die Herzkranzgefäße, spricht man von einer Koronaren Herzkrankheit. Dann wird das Herz nicht mehr ausreichend durchblutet und die Herzmuskelzellen erhalten zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe. Beim Herzinfarkt verschließt sich ein Blutgefäß vollständig. Dadurch wird ein Teil des Herzmuskels von der Blutzufuhr abgeschnitten und die betroffenen Zellen sterben innerhalb kurzer Zeit ab. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt zählt jede Minute – sofort die 112 wählen! Frauen zeigen oft von Männern abweichende, unspezifische Symptome, etwa ein Gefühl der Schwäche, Schmerzen im Oberbauch und/oder im Rücken und zögern einen Notruf hinaus. Dadurch geht wertvolle Zeit für lebensrettende Behandlungen – wie das Öffnen verschlossener Gefäße – verloren. Deshalb nicht abwarten, sondern die 112 anrufen! Nähere Informationen: passauerwolf.de/internationalerfrauentag-herzgesundheit-im-fokus
Herzstärken
Nicht alle Risikofaktoren für unsere Herzgesundheit können wir beeinflussen: Wir sind eben so alt, wie wir nun mal sind, und eine eventuelle familiäre Vorbelastung lässt sich auch nicht einfach ausradieren. Aber auf entscheidende Parameter können wir sehr wohl gestaltend einwirken. Das Beste: Der Weg zu einem gesundheitsfördernden Lebensstil, der den Alltag mit neuer Energie und Lebenslust auflädt und dem Herzen guttut, kann richtig Freude machen. Die vier wichtigsten Handlungsfelder:
Bewegung
Der kürzeste Weg zur Gesundheit ist der Fußweg, heißt es. Die WHO empfiehlt: Fünfmal pro Woche eine halbe Stunde flott spazieren gehen oder joggen. Das kurbelt den Stoffwechsel an, baut Stress ab, verbessert die Durchblutung, hält die Arterien elastisch, senkt den Blutdruck, hilft bei der Gewichtskontrolle (Übergewicht abbauen) und reduziert das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um bis zu 30 %.
Ernährung
Das Herz freut sich über eine frische, abwechslungsreiche Mittelmeerküche mit viel Obst und Gemüse und hochwertigen Pflanzenölen, die die Bildung von Gefäßablagerungen und Entzündungen hemmen können und wichtige Antioxidantien und Vitamine liefern. Dazu fetter Seefisch (z.B. Lachs, Hering, Makrele) als Omega-3-Fettsäurenlieferant, die u.a. an der Regulation von Blutfetten beteiligt sind und so auch das Risiko für Herzinfarkte reduzieren können. Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte stabilisieren den Blutzuckerspiegel, verbessern das Blutfettprofil und liefern wichtiges Eiweiß. Nur sparsam salzen – lieber mit frischen Kräutern würzen und den Zuckereinsatz reduzieren. Wer täglich etwa eine Handvoll ungesalzener Nüsse knabbert oder über Salat oder Müsli streut, unterstützt sein Herz- Kreislauf-System mit ungesättigten Fettsäuren, Ballaststoffen und Antioxidantien. Viel trinken! Anderthalb bis zwei Liter, am besten Wasser und ungesüßter Tee, wären gut. Ab und zu ein Glas Wein darf schon sein. Aber auf Nikotin besser ganz verzichten.
Entspannung
Lärm, berufliche oder private Überforderung, Ängste – für viele Menschen ist Stress ein Dauerbegleiter im Leben. Dann hebeln Stresshormone wie Kortisol und Adrenalin das Immunsystem aus, verengen die Blutgefäße und erhöhen den Herzschlag. Laut WHO ist chronische Anspannung für die meisten Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich – weltweit. Falls sich im Alltag Stress aufbaut, ignorieren Sie ihn nicht, nehmen Sie ihn wahr.Wenn möglich, gehen Sie dann vielleicht eine Runde ums Haus, oder Sie konzentrieren sich auf Ihren Atem, lassen ihn ruhig und tief fließen. Bauen Sie Entspannungsmomente in Ihren Alltag ein und schaffen Sie sich Freiräume zur Regeneration: Ob Tanzen, Schwimmen oder Yoga, jede Art von Bewegung hilft Stress abzubauen, auch eine kreative Beschäftigung ist ein Geschenk für Ihr Herz.
Gemeinschaft
Der Mensch ist ein soziales Wesen. Familie, Freund:innen, Gleichgesinnte geben uns das Gefühl, gut aufgehoben zu sein. Eine vertraute Gemeinschaft signalisiert: Hier bist du sicher. Das reduziert Stress. Sich zugehörig zu wissen, stärkt aber nicht nur das Immunsystem, sondern kann die Lebensdauer verlängern und erhöht die Lebensqualität. Falls Sie in einem Akt der Selbstfürsorge Ihre Gesundheit ins Auge fassen wollen, begegnen Ihnen beispielsweise in einem Sportverein gleichgesinnte Menschen, die Sie wahrnehmen, bestärken und zum Durchhalten motivieren. Auf der nächsten Seite zeigt Ihnen der Passauer Wolf, wie auch Berufstätige mit einem Programm der Deutschen Rentenversicherung die Lebensqualität verbessern – in einer kleinen Gruppe vor Ort und digital von zu Hause aus.
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