Die Visite markiert für viele Gäste einen wichtigen Begegnungs- und Kommunikationspunkt im Verlauf der Rehabilitation: Geht meine Genesung aus medizinischer Sicht gut voran? Hat die Diagnostik etwas Neues ergeben? Welche Therapiemöglichkeiten sind erfolgversprechend?
Wir beim Passauer Wolf nehmen uns (nicht nur) bei der Visite Zeit. Zeit für die Fragen unserer Gäste, für ein paar persönliche Worte, eine Ermutigung. Wir sehen die Visite als Gesprächsangebot von besonderer Bedeutung. Denn hier können verschiedene Sichtweisen abgeglichen, auf persönliche Erfahrungen eingegangen und auch kleine Fortschritte sichtbar gemacht werden.
DARÜBER HINAUS:
Einmal pro Woche wird im Reha-Zentrum Nittenau die Bedeutung der ärztlichen Visite noch getoppt: Es findet die Teamvisite statt. Alle kommen, die sich für die Genesung des Gastes einsetzen: Natürlich der behandelnde Arzt, aber auch Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden, Psychologen oder Neuropsychologen, Mitarbeiter der Sozialberatung und Pflegekräfte. Auf diese Art wird das gesamte Expertenwissen mit dem Wissen des Gastes über sich selbst zusammengebracht. Gemeinsam wird der Status festgelegt und darüber beraten, wohin die Reha-Reise geht. Welche Ziele und Etappenziele wie erreicht werden können. Auch gut: Nach der Teamvisite weiß jeder was zu tun ist, Reibungs- oder Kommunikationsverluste an den Schnittstellen zu anderen Abteilungen gibt es nicht.
NOCH EIN PLUS:
Die Teamvisiten finden am Nachmittag statt, so dass auch Angehörige teilnehmen können und über den Behandlungsverlauf und die Perspektiven informiert sind. Gerade bei schwerer betroffenen Gästen in der Neurologie oder Geriatrie ist das wichtig, auch, um zu entdecken, was man selbst zur Genesung beitragen kann. Für Angehörige wie Gäste ist die Teamvisite eine unkomplizierte Möglichkeit, alle offenen Fragen auf einmal zu besprechen – ohne sich mühsam von Ansprechpartner zu Ansprechpartner durchfragen zu müssen. Darüber hinaus ist es für Angehörige übrigens auch möglich, selbst an Therapien teilzunehmen oder spezielle Seminare zu besuchen, beispielsweise zum Thema »Schlaganfall«.
Zum Vergleich
IM DURCHSCHNITT…
… dauert eine Visite in deutschen Krankenhäusern drei bis vier Minuten. Die Redezeit des Arztes ist dabei doppelt so lang wie die Redezeit des Patienten. … stellt ein Patient im Rahmen einer Visite nur eine bis maximal zwei Fragen. Während der Arzt dem Patienten sechs bis acht Fragen stellt. … wird jedes zweite Visitengespräch gestört.

CHEFARZT STEPHAN GRAEBER
Seit 2016 ist Stephan Graeber Chefarzt für die Fachbereiche Geriatrie und Neurologie im Passauer Wolf Nittenau. Stephan Graeber war schon früher einmal Oberarzt in Nittenau und kam zum 20-jährigen Bestehen des Reha-Zentrums nach Nittenau zurück. Hier führte er die wöchentliche Teamvisite weiter, die auch von Angehörigen gerne angenommen wird. »Ich erlebe hier jeden Tag, was Teamarbeit bewirken kann. Die Teamvisiten kommen nicht nur bei unseren Gästen, sondern auch bei den medizinischen, therapeutischen und pflegenden Fachkräften untereinander gut an. Bei speziellen Fragen ist der standortübergreifende Austausch immer ein Gewinn – vor allem für unsere Gäste«, sagt er.
PFLEGEKRÄFTE SEHEN EINEN GROSSENVORTEIL:
Die Teamvisite findet zweimal pro Woche (Montag und Donnerstag nachmittags ab 14 Uhr) statt, so dass Angehörige dabei sein können und ihre Anliegen direkt mit den Beteiligten klären können. Die wichtigen Informationen laufen in der Teamvisite zusammen. Pflegekräfte sind für den Patienten rund um die Uhr da und daher darauf angewiesen. Die Zeit, die man sich während der Teamvisite gemeinsam nimmt, ist gut investiert. Pflege Therapie, Arzt, Gast und Angehörige haben den gleichen Kenntnisstand. Das gemeinsame Gespräch nimmt Unsicherheit bei den Beteiligten. So können sich alle auf das Wesentliche konzentrieren: Die Genesung des Patienten.
»Informationen aus dem persönlichen Gespräch zu erhalten und nicht nur aus der Akte – das ist für unseren Arbeitsalltag wertvoll.«
DAS PLUS AN MENSCHLICHKEITRECHTFERTIGT DEN AUFWAND:
Dieser gemeinsame Termin lässt den Aufenthalt weniger technisch und menschlicher werden. Vor allem die Patienten und ihre Angehörigen können angehört werden und die Therapeuten erfahren auch, wie es zu Hause ist, wie nützlich die angebotenen Hilfsmittel sind und wie sich der Alltag gestaltet. Etwas mehr Geduld müssen die Patienten und ihre Angehörigen manchmal allerdings mitbringen. Durch die persönlichen Gespräche kann es für die nachfolgenden Visiten zu Verzögerungen kommen. Die Vorteile überwiegen aber klar.
»Wir bekommen durch diese Visite Informationen, an die wir vorher nicht gekommen sind. Das ist für den weiteren Verlauf der Therapie und vor allem auch für den Alltag nach dem Aufenthalt von sehr großer Bedeutung.«
ALLE FÜR EINEN DIE ÄRZTE REGISTRIEREN EINE POSITIVEENTWICKLUNG FÜR DIE INTERDISZIPLINÄRE ZUSAMMENARBEIT:
Gemeinsam im Team aus Patienten, Angehörigen, Therapeut und Pflegekraft erfolgt eine Überprüfung und Anpassung des individuellen Therapiezieles. So kann in der Teamvisite gemeinsam und sehr persönlich auf den Patienten eingegangen werden.
»Der daraus resultierende Win Win Effekt ist ein elementarer Baustein in der Erzielung eines effektiven Zusammenspiels und letztlich auch für die Erzielung eines nachhaltigen Therapieerfolges.«
ANGEHÖRIGE WERDEN AKTIV MIT IN DEN BEHANDLUNGSPROZESS EINGEBUNDEN:
Die gemeinsame Teamvisite erleichtert den Umgang mit dem Pflegepersonal und den Ärzten sehr. Kein mühsames Recherchieren nach dem richtigen Ansprechpartner. Alle sind verfügbar, kein undurchdringliches System aus Ärzten und Pflegepersonal versperrt den Blick auf die Therapiemaßnahmen und Erfolge. Gemeinsam mit seinen Angehörigen kann der Patient als gleichberechtigter, mündiger Partner seinen Aufenthalt mitgestalten. Ein Vorteil von unschätzbarem Wert für alle.
»Wir fühlen uns als Angehörige ernst und wahrgenommen. Die Teilnahme an der Teamvisite und die Möglichkeit, alle wichtigen Informationen direkt zu erhalten, hat uns ganz neue Perspektiven zur Mitgestaltung der Therapie eröffnet.«



Bildnachweis: Berliberlinski






















