Fernseher sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Denn auch bei Fernsehern gab es Zeiten, zu denen die Fernbedienung nur ein paar Knöpfe mit Zahlen hatte. Zum Draufdrücken. Ähnlich wie bei alten Telefonen, außer dass Fernbedienungen offensichtlich das Zeitalter der Wählscheibe zu überspringen wussten. Jungen Menschen empfehle ich an dieser Stelle das Wort »Wählscheibe« zu googeln und sich in der Folge für das Abspielen eines Videos zu entscheiden, denn die entsprechende Bedienung jener ausgestorbenen Technik erschließt sich nicht aus deren schlichter Betrachtung. Den Zeigefinger mehrmals in ein Loch zu stecken, dieses bis zu einem Anschlag zu ziehen und es anschließend wieder loszulassen – und danach tatsächlich den Onkel Konstantin am Hörer (auch dieser Begriff könnte einer Googelei bedürfen) zu haben, ist bis heute ein Wunder, das sämtliche Naturgesetze außer Kraft gesetzt zu haben scheint.
Meine Fernbedienung besteht heute aus Pfeilen, Ringen und farbigen Punkten und ich habe kurz nach Erwerb meines neuen Smartfernsehers ein einwöchiges Seminar bei meinem Elektrofachhändler besucht, um wenigstens das Zweite Deutsche Fernsehen zu finden, ohne dafür nach Mainz fahren zu müssen. Die Tatsache, dass moderner Technik in erster Linie eine Erleichterung des Lebens nachgesagt wird, kann ich nachvollziehen, bei meiner Fernbedienung nicht. Es ist allerdings möglich, dass mein neues TV-Gerät für das einfache Übertragen von Fernsehprogrammen in mein Wohnzimmer hinein einfach deutlich zu gescheit ist. Freilich habe ich in der Zwischenzeit entdeckt, dass mein smarter Fernsehapparat auch Vorteile hat. Wo ich früher bei Bildstörungen lebensgefährliche Bergexpeditionen aufs eigene Hausdach durchführen musste, um zu überprüfen, ob eine vollgefressene Taube die Antennenstatik empfangstechnisch negativ beeinflusst hat, ist es heute mit einem einfachen Kaltstart getan. Stecker raus, Stecker rein, Bild wieder da. Wie schon bei alten Commodore-Computern früh erlernt. Und für schnöde EDV-Endverbraucher wie mich bis heute bewährt.
In diesem Zusammenhang finde ich es schade, dass sich unser Schöpfer bei unserer Spezies für die kabellose Variante entschieden hat. Ich würde es sonst sofort bei mir selbst ausprobieren. Stecker raus, Stecker rein – zack, schon bräuchte ich zum Zeitunglesen keine Brille mehr, die Weihnachtswampe wäre ohne schmerzhafte Herumfasterei rückstandsfrei verschwunden und den Termin zur Verödung meiner Hämorrhoiden könnte ich ersatzlos streichen.
Was unseren Planeten betrifft, habe ich durchaus ein wenig Angst, es könnte doch irgendwo einen Stecker geben und wir müssten vielleicht schon demnächst wieder bei Adam und Eva anfangen. Wir sollten auf jeden Fall schleunigst die Fernbedienung jenen Artgenossen in die Hand drücken, die damit auch umgehen können. Zur Not nach einem einwöchigen Kurs bei meinem Elektrofachhändler.
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