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Home Freidenken

Mit Akzeptanz zur Leichtigkeit

Frau hält Blatt

Wo kein Übergang mehr zu sein scheint, baut sie Brücken. Unwegsames, schwieriges Gelände erschreckt sie nicht, sondern weckt eher ihr Interesse. Astrid Böttger, verheiratet, Mutter von vier Töchtern, unterstützt seit gut 25 Jahren Einzelpersonen, Teams und Organisationen dabei, ihre Stärken wahrzunehmen und auszubauen, im Unwegsamen Fährten zu entdecken, zu verfolgen – oder zu verwerfen. Als Trainerin, Organisationsentwicklerin und Coach hat sie ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Ihre Themen reichen von der Persönlichkeitsentwicklung über professionelles Stressmanagement bis hin zur Entwicklung emotionaler Intelligenz für Führungskräfte. Diese steigert nicht nur die Teamfähigkeit, sondern auch die Souveränität und hilft, klügere Entscheidungen zu treffen. »Immer schön cool bleiben« lautet der Titel ihres aktuellen Seminars, das Astrid Böttger im Bildungszentrum für Gesundheitsberufe des Passauer Wolf allen interessierten Mitarbeiter:innen zugänglich macht. Die Wolfsspur konnte mit Astrid Böttger über ihre Vorstellungen, Erkenntnisse und Erfahrungen sprechen.

Wie schaffen Sie es selbst, Frau Böttger, Familien- und Berufsalltag gut miteinander zu verbinden? Beschleicht bisweilen nicht auch Sie das ungute Gefühl »irgendwie nicht hinterher zu kommen«? Wie gehen Sie damit um?

Oh – das ist eine schöne Frage. Natürlich kenne ich das Gefühl. Ich könnte es auch beschreiben als das Gefühl, dass sich in manchen Phasen ziemlich viel anhäuft oder auch schwer zu bewältigen ist. Und da gab es bereits einige Situationen! Was mich und auch meine Familie trägt, ist zuerst das Glück, sich gegenseitig unterstützen zu können; besonders, als die Kinder klein waren, kam meine Mutter oft zu uns, wenn ich verreiste. Sicherlich war dies aufwendig für sie, aber auch bereichernd. Heute ist eine gute Vernetzung hilfreich, wenn akut jemand oder etwas gebraucht wird. Sich in seinem Beruf wohlzufühlen, ist für mich ein weiterer Schlüssel zur Machbarkeit: Wenn wir etwas tun, was wir als Bereicherung empfinden, dann gelingt uns dies viel leichter. Ich freue mich nach wie vor auf die Begegnungen mit den Menschen, die sich wegen »meiner« Themen auf den Weg in meine Veranstaltungen machen. Dafür bin ich sehr dankbar. Und dann gibt es tatsächlich noch einen dritten Punkt: es ist die Erfahrung, dass jede auch noch so schwierige Situation sich irgendwie lösen lässt oder auch sich selbst auflöst. Vielleicht ist es das, was mir immer wieder Kraft gibt: zu wissen, ich habe schon andere Situationen bewältigt, und irgendwann wird es wieder leicht.

Wir nehmen an, dass Sie, gerade in Ihrem besonderen Aufgabenfeld, immer wieder mit schwierigen und auch emotionsgeladenen Situationen konfrontiert sind. Welche Methoden helfen Ihnen, Ihre Gelassenheit und Souveränität zu behalten?

Mensch sein. Gerade, weil wir selbst ja auch schwierige oder emotionsgeladene Situationen erleben, können wir gut nachvollziehen, wie sich dies für jemand anderen anfühlt. So können wir uns auch begegnen. Ich finde, dass jede Lebenserfahrung, jede Situation, zuallererst gewürdigt sein möchte – auch die schwierige oder schwer auszuhaltende. Was wir in einer solchen Situation nicht brauchen, ist für mich eine Empfehlung wie: »Da musst du das Beste draus machen.« Ein Familienmitglied erkrankte vor einigen Jahren an Krebs. Wir alle in der Familie erlebten das als große Belastung, denn im Kontext von Krebs taucht häufig auch die Furcht vorm Tod auf. Oder, wie ich es beschreiben würde: Das theoretische Wissen um das zu erwartende Ende des menschlichen Lebens wird plötzlich zur realen Bedrohung. Vielleicht liegt es daran, dass wir uns in unserer Kultur viel mehr mit dem optimalen, effizienten, erfolgreichen Leben beschäftigen als mit einem Scheitern oder einem Bewusstsein für unsere Grenzen.

Mir hätte in dieser schweren Situation ein Ausdruck von Mitgefühl oder die Frage, ob ich Unterstützung brauche, besser getan als dieses ständige: »Da musst du das Beste draus machen.« Es gab für mich in dieser Situation nichts »Bestes«. Es war eben einfach nur schwierig. Unser Leben ist voller Kontraste: hell und dunkel, warm und kalt. Wach und müde, hungrig und satt. Traurig und heiter, leicht und schwer. Wenn wir lernen, diese Kontraste zu erkennen und zu akzeptieren, entwickeln wir auch eine Akzeptanz für Situationen, die wir als schmerzhaft erleben. Was wir dann brauchen, ist meiner Ansicht nach das Gefühl, gesehen zu werden, sich wahrgenommen zu fühlen. Dann entsteht Verbindung, die uns stärkt!

Spielt dabei auch Humor eine Rolle? Kann Lachen helfen?

Ja! Lachen ist toll! Lachen: das ist Leichtigkeit, Gelassenheit, Freude. Wenn es passt, ist Lachen großartig. Aber manchmal ist es uns halt so wenig zum Lachen zumute. Wir erleben Schwere, Angst, Überforderung; Situationen, die wir im Moment scheinbar nicht bewältigen können. Und es ist dann tausendprozentig ok, wenn einem das Lachen im Halse stecken bleibt – oder einem überhaupt nicht nach Lachen zumute ist. Wir kennen so viele Emotionen! Und alle dürfen sein und ihren Raum haben.

Gibt es für Sie Unterschiede zwischen privatem und beruflichem Humor?

Ich glaube, nein. Ab und zu kommen nach Veranstaltungen Teilnehmende zu mir und erzählen, dass sie so viel Freude an meinem Humor, oder vielleicht besser gesagt: an meinem Witz hatten ;-). Ich denke, dieser unterscheidet sich nicht vom privaten Humor. Das ist vielleicht auch eine Frage der Authentizität. Ich komme ja als Astrid Böttger in meine Veranstaltungen; als die Astrid Böttger, die einige Zeit vorher zu Hause noch die Wäsche zusammengelegt hat. Oder mit den Hunden im Wald war. Authentizität ist mir wichtig. Alles andere kommt auch als »unecht« rüber und ist zudem schrecklich anstrengend.

lächelnde Frau mit blonden Haaren und einer bunten Bluse

Kann man Humor lernen? Wie schafft man es, den Humor nicht zu verlieren, auch wenn es eigentlich nichts mehr zu lachen gibt?

»Kann man Humor lernen« – bei dieser Frage kam in mir tatsächlich das Bedürfnis auf, einmal bei Wikipedia nachzuschlagen, wie dort Humor definiert wird: »Humor ist die Begabung eines Menschen, der Unzulänglichkeit der Welt (…) und den alltäglichen Missgeschicken mit heiterer Gelassenheit zu begegnen.« (Wikipedia)

Die Rede ist hier von Situationen wie alltäglichen Missgeschicken. Humor wird auch beschrieben als »Kunst, sich selbst und die Umstände nicht allzu ernst zu nehmen«. Solche Umstände begegnen uns ja dauernd, und wenn wir es schaffen, darüber zu lachen, distanzieren wir uns von diesen Umständen – sie berühren uns dann nicht mehr so.

Die Frage, die für mich auftaucht, ist: Wie bringen wir sehr schwierige Situationen und Humor zusammen, obwohl wir es vielleicht ab einem Punkt nicht mehr als stimmig empfinden zu lachen. Ich gehe davon aus, dass wir Menschen schon ein Gespür für den Moment haben, zu dem Humor passt. Passt es nicht, wird aus Humor schnell Zynismus.

Sehen Sie heitere Gelassenheit als Tool der Selbstfürsorge? Wie lässt sich diese zum zuverlässigen Begleiter entwickeln?

Ja! Alltäglichen Missgeschicken mit heiterer Gelassenheit zu begegnen ist offensichtlich eine Begabung, die in uns steckt. Allerdings verlieren wir in schwierigen Lebenssituationen, die wir ja auch als stressig bezeichnen, häufig den Blick aufs Ganze. In solchen Situationen stelle ich mir, nach ein paar bewussten Atemzügen, die kurze Frage: Was ist jetzt wirklich wichtig? Und dann kommt die Antwort. Manchmal ist diese einfach: einen Kaffee trinken, manchmal auch: etwas Heiteres anschauen. Wenn ich später Zeit habe, schaue ich mir gerne einen witzigen Film o.ä. an. Das verändert die Stimmung! Wir führen uns durch so eine Unterbrechung hin zu mehr Leichtigkeit und werden auch wieder kreativer.

Wie finden Sie selbst nach einem herausfordernden Tag zu Entspannung, Leichtigkeit und frischer Energie?

Das sind in der Regel, wenn ich es einrichten kann, Dinge, die ich gerne mache. Denn Freizeit ist für mich die Zeit frei vom Muss. Ich gehe tatsächlich gerne einfach mal ins Kino. Auch Spazierengehen tut mir gut. Wenn möglich in der Natur, aber auch in der Stadt: schauen, entdecken, beobachten. Wenn viel los war und ich mich nach Stille sehne, finde ich diese in der Meditation. Damit verbringe ich viel Zeit, auch, wenn ich mich für mehrere Tage zurückziehe. Aber das Wichtigste ist: schlafen. Ich bin eine begeisterte Schläferin! Das müssen nicht immer acht Stunden sein – manchmal bin ich auch einfach früh wach. Aber schlafen ist mir das Wichtigste, besonders, um gut in den nächsten Tag starten zu können.

Herzlichen Dank für Ihre Anregungen, Impulse und für Ihre Zeit.

Bildnachweis: astridboettger.de, AdobeStock/tai

Ausgaben: Herbst/Winter 2026/2027HumorLachenPositives Denken
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