Spielen ist ein Bedürfnis, das sich durch alle Lebensphasen zieht und oft mit unbeschwerten Kindheitserinnerungen verknüpft ist. Für Kinder ist das Spiel nicht nur eine Freizeitbeschäftigung, sondern vielmehr eine essentielle Form der Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt. Doch was passiert, wenn wir als Erwachsene die Spielwelt betreten? Der Akt des Spielens fördert kreative Denkprozesse, schärft unsere Problemlösungsfähigkeiten und kann stressabbauend wirken. In einer Spielumgebung können wir experimentieren, frei sein und in Fantasiewelten eintauchen, was uns eine willkommene Flucht aus der Realität bietet. Dass Spielen auch für Erwachsene zahlreiche Vorteile mit sich bringt, haben auch vier Mitarbeiter:innen im Passauer Wolf für sich entdeckt.

ELKE SCHOLZ, QUALITÄTSMANAGEMENTBEAUFTRAGTE UND BGM-BEAUFTRAGTE PASSAUER WOLF BAD GÖGGING
Die Qualitätsmanagementbeauftrage und Beauftragte für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) Elke Scholz bezeichnet sich selbst als absolutes »Spielkind«. »Für ein Spiel bin ich immer zu haben. Aktuell richte ich mich gerne nach meinen Kindern und da stehen die Klassiker Schach und Twister ganz hoch im Kurs. Meine alte Leidenschaft Badminton teilen beide mit mir. Ich versuche auch den Alltag spielerisch und abwechslungsreich zu gestalten und viele Dinge nicht zu ernst zu nehmen. Hausaufgaben oder Alltagstätigkeiten kann man auch tanzend, singend oder hüpfend erledigen«, gibt uns Elke Scholz einen Einblick in ihren Alltag. Ihre Liebe zum Spiel hat auch ihre Berufswahl als Sportwissenschaftlerin beeinflusst. In ihrer Funktion als BGM-Beauftragte gestaltet sie regelmäßig einen Magic Outdoor Tag für Kolleg:innen im Passauer Wolf Bad Gögging. »Bei unserem Magic Outdoor Tag lassen wir auch spielerische Elemente einfließen. Wir nutzen beispielsweise kleine Jonglierbälle für koordinative Aufgaben. Auch die Wildnispädagogik findet ihren Platz an diesem besonderen Tag und es werden Kreativität, Problemlösungskompetenz und Teamgeist gefordert – beispielsweise beim Legen eines Mandalas mit gesammelten Naturmaterialien. Anfängliches Zögern und die Scheu, sich im Spiel fallen zu lassen, wandelt sich dabei meist sehr schnell in Freude«, erzählt Elke Scholz von der Dynamik der Gruppe. Sie beobachtet dabei auch, dass Spielen die Menschen zusammenbringt: »Wir agieren echter. Die oftmals antrainierten Verhaltensweisen und Distanzen schwinden und es zählt plötzlich das gemeinsame Ziel. Der Fokus geht auf Verbindendes und weg vom Trennenden. Viele wachsen beim Spielen förmlich über sich hinaus – unabhängig davon, ob es ein großes Sportspiel oder das kleine freudvolle Miteinander im Garten oder Wohnzimmer ist.« Für alle, die diese Begeisterung ansteckend finden und das Spielen auch wieder für sich entdecken möchten, hat Elke Scholz noch einen Tipp: »Jemanden finden, der ähnlich tickt und dann gemeinsam auch mal etwas schräge Dinge versuchen. Und sich selbst nicht so bierernst nehmen. Das Leben ist zu wertvoll für schlechte Laune.«

THERESA EICHBERGER, THERAPIELEITUNG PASSAUER WOLF BAD GRIESBACH
Theresa Eichberger erlebt während ihrer Arbeit als Therapeutin häufig, wie das Spielen als bewusst eingesetztes Element während der Behandlung zum »Gamechanger« wird. »Auch im Erwachsenenalter greifen wir auf Lernmechanismen der Kindheit zurück. Bevor wir formell planen oder bewusst trainieren, versuchen wir im Spiel kreativ und experimentell Lösungen zu finden. Gerade in der Neurologie und Geriatrie wird dieses natürliche Prinzip genutzt«, erklärt Theresa Eichberger. »Durch spielerische Elemente wirken Übungen weniger belastend, weniger therapiehaft und gleichzeitig alltagsnäher. Das Spiel ermöglicht es somit, Fähigkeiten zu fördern, ohne Druck aufzubauen. Menschen können ausprobieren, scheitern und neu versuchen – in einem sicheren Rahmen. Das schafft Erfolge, die über rein funktionelle Übungen oft schwer erreichbar wären.« Im Therapie-Alltag kommen beispielsweise Brettspiele, Ballspiele, aber auch digitale Angebote wie eine VR-Brille oder der Care-Table zum Einsatz. Besonders freut es Theresa Eichberger, wenn sich die anfängliche Skepsis von Patient:innen in Zuversicht wandelt und die Gäste erleben, dass es sie weiterbringt. »Als Behandlerin erlebe ich spielerische Elemente in der Therapie als große Bereicherung. Sie bringen Leichtigkeit in Situationen, die für Patient:innen oft von Unsicherheit, Frustration oder körperlichen Einschränkungen geprägt sind. Beim Spielen rückt der Fokus weg von der Einschränkung und hin zu einer Aufgabe, die Freude macht und Erfolgserlebnisse ermöglicht. Patient:innen sind mutiger, probieren mehr aus und gehen oft über ihre eigenen Grenzen hinaus«, fasst Theresa Eichberger das Erleben des Spiels in der Therapie aus Behandler:innensicht für uns zusammen.

HANNES WEBER, CONTROLLING UND REVISION PASSAUER WOLF
Spiele waren schon immer ein Bestandteil von Hannes Webers Leben: »Als Kind spielte ich gerne Kartenspiele wie Yu-Gi-Oh oder Pokémon und Outdoor-Spiele, wie beispielsweise Schnitzeljagd. Dazu kamen aber auch vermehrt Spiele auf dem Gameboy oder der Playstation zusammen mit den Nachbarskindern und Verwandten.« Über das Internet spielbare Rollenspiele, wie World of Warcraft, faszinierten Hannes Weber, da dort Millionen von Menschen in einem Fantasy-Spiel zusammenkommen und gemeinsam Abenteuer erleben konnten. So entstanden auch Freundschaften. Inzwischen erlebt er das Spiel nochmal aus einem völlig anderen Blickwinkel, nämlich als Elternteil. Wenn Hannes Weber mit seinem Kind spielt, wird ihm oft bewusst, wie anders das Spielerlebnis für Kinder ist: »Ich staune darüber, wie Kinderaugen die Welt sehen. Ein Schuh wird plötzlich zu einem tollen Spielobjekt! Ich genieße es einfach und vergesse dabei auch schnell mal die Zeit. Ehe ich mich versehe, sind ein oder zwei Stunden vergangen. Natürlich kann es auch anstrengend werden, aber meistens fühle ich mich danach entspannt.« Im Spiel sieht er nicht nur einen Freizeitvertreib, sondern auch eine Quelle von Verbindungen und Gemeinschaft und die Möglichkeit zu wertvoller Unbekümmertheit zurückzukehren, sowohl für Erwachsene als auch für Kinder.

ARLINDA ALIU, REHA-ASSISTENZ PASSAUER WOLF BAD GÖGGING
»Ich habe das Spielen nie aufgegeben. Es ist ein ständiger Begleiter in meinem Leben, seit meinen frühesten Erinnerungen«, erzählt uns Arlinda Aliu. Die simple, aber tiefgründige Freude am Spiel ist für sie zu einer wertvollen Konstante geworden. Heute entdeckt die Reha-Assistentin in ihrer Freizeit die faszinierenden Welten der Puzzles und der entstehenden Lego-Kreationen, die sie nach sorgfältig ausgearbeiteten Anleitungen zusammenstellt. Die Konzentration und Struktur, die das Zusammensetzen fordert, empfindet sie als ausgesprochen bereichernd. »Allein zu spielen bedeutet für mich Ruhe, Fokus und Entspannung. Wenn ich mit Familie oder Freund:innen spiele, steht der Spaß, das Miteinander und das gemeinsame Lachen im Vordergrund. Beides erfüllt mich auf unterschiedliche Weise. Danach bin ich ausgeglichen und habe das Gefühl, eine kleine Auszeit genommen zu haben«, erklärt Arlinda Aliu uns den Stellenwert des Spielens. Ein Kartenspiel, das aus dem Kosovo stammt, wo Arlinda Alius Eltern herkommen, spielt sie besonders gerne mit ihrer Familie und Freund:innen. Beim Puzzeln und Lego bauen vergisst sie oft komplett die Zeit. »Es beruhigt mich, meine Kreativität wird gefordert und mir gelingt es mit dem Spielen Belastungen des Alltags auszugleichen«, reflektiert Arlinda Aliu. Generell sieht sie im Spiel für Erwachsene eine Chance, Stress abzubauen, geistig fit zu bleiben und vor allem auch schöne Momente in Gesellschaft zu genießen. »Ich erlebe, dass Spielen Menschen überall verbindet, fast wie eine universelle Sprache – unabhängig von Alter oder Herkunft«, gibt sie uns abschließend mit auf den Weg.
Bildnachweis: berliberlinski.de






















