Kreative Küche, kreative Frisuren, kreative Fingernägel — Kreativität ist heute in aller Munde. Doch je mehr über Kreativität gesprochen wird, desto weniger wird sie gelebt. Denn spätestens ab der Schulzeit trainieren wir das zielgerichtete, folgerichtige, analytische Denken. Wir lernen, wie wir am schnellsten von A nach B kommen, und optimieren diesen Weg. Und kommen so immer schneller ans vorgegebene Ziel. Das Ergebnis? Punktlandung. Alles richtig. Überraschung: null.
Doch es ist nicht nur die Schule, die uns prägt. Heute gibt die Leistungsgesellschaft den Takt vor, eine Lücke im täglichen Funktionieren fürs Tagträumen, Ausschweifen, Abweichen ist schwer auszumachen. Und finden wir eine, wird sie sofort mit dem Smartphone gefüllt.
GANZ ANDERS – KINDER
Für Kinder ist das ein Dauerzustand: Spielend setzen sie sich über Konventionen hinweg, reiten auf imaginären Pferden durchs Zimmer, reichen einen Radiergummi weiter mit den Worten: »Möchten Sie noch ein Tässchen Kaffee?«, experimentieren, verputzen Legohäuser mit Knete. Das Ergebnis? Überraschung. Vielfalt. Originalität. Kreativpäpste wie Jörg Mehlhorn oder Rainer-Matthias Holm-Hadulla sind sich einig: Jeder Mensch kann kreativ sein. Wirklich jeder. Nur muss es Freiraum geben – zum Spielen, Ausprobieren, Kombinieren, auch zum fröhlichen Fehler machen. Am Ende entdecken wir womöglich etwas, wonach wir gar nicht gesucht haben. Wie Columbus.
KREATIVTEAM PASSAUER WOLF
120 Führungskräfte und Multiplikatoren des Passauer Wolf treffen sich zum ersten Wolfstag in der Regensburger Continental Arena. Hier ist Raum, um den Fokus zu schärfen, die Perspektive zu wechseln, Ideen fließen zu lassen. Der Wolfsforscher, Prof. Dr. Kurt Kotrschal, spricht über das Prinzip der Kooperation. »Menschen und Wölfe sind Kooperationstiere«, sagt er, »sie agieren miteinander zum gemeinsamen Vorteil.« In kleinen Arbeitsgruppen wird gestartet. Drei Themen, dreimal 40 Leute, drei Stunden Zeit. Im Fokus stehen die Gäste des Passauer Wolf. Wie unterstützt der Passauer Wolf sie dabei, ihre Rehabilitationszeitpositiv gestimmt, ja, heiter zu erleben? Ein kurzes Anwärmen in den Teams. Dann geht’s los: Warum müssen eigentlich Fachbegriffe immer so unverständlich und distanziert sein? Kann es nicht auch einmal eine Lücke im Diätplan geben? Oder ein Angebot »Lach’ dich schöner«? Wir könnten doch jedem Gast jeden Tag eine »Glückskarte« ins Zimmer legen. Oder Tipps für Ausflüge in die Umgebung. Oder, oder. Es wird gelacht, die Ideen sprudeln, die Sammlung wächst.
Bildnachweis: Passauer Wolf






















