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    Ein Mann führt unter Aufsicht einer Pflegerin Übungen durch.

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    Dem Menschen zugewandt

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    Spielend lernen

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Patientengeschichte: Wertvolle Routine

Dr. Anton Achhammer

Ein Mann führt unter Aufsicht einer Pflegerin Übungen durch.

Dr. Anton Achhammer sitzt in einem hellen Therapieraum aufrecht auf einem Stuhl, die Füße fest auf dem Boden, als wolle er sich damit stabilisieren. An dem Tisch vor ihm ist mit einer Schraubzwinge ein Gebiss angebracht, das er sich aus seiner Praxis in das Passauer Wolf Reha-Zentrum Bad Gögging hat bringen lassen – ein stiller Begleiter seines Handwerks. Er nimmt den Mundspiegel in die eine, die Sonde in die andere Hand – und man sieht sofort, wie selbstverständlich sein Körper diesen gewohnten Ablauf abrufen kann. Ohne Eile führt er den Spiegel heran, dreht ihn ein Stück, bis die Reflexion stimmt. Die Sonde folgt kurz darauf, setzt präzise an einer Zahnkante an. Die Bewegungen passen – nicht nur ungefähr, sondern sie sind die eines Zahnarztes mit jahrzehntelanger Erfahrung. Das leise Kratzen der Metallspitze über dem Modell erzählt von Routine, nicht vom Wiedererlernen. Ein Beobachter würde nicht erkennen, dass sich Dr. Anton Achhammer gerade während einer Reha zurück ins Leben kämpft. 

ENTSCHLOSSENHEIT UND KLARE ZIELE

Im Juni vergangenen Jahres erleidet der Thalmassinger Zahnarzt einen Schlaganfall, der ihm die Kontrolle über seine linke Körperhälfte nimmt. »Ich war gerade dabei, meiner Tochter eine Lampe an der Decke anzubringen, als meine Frau meinte, dass meine linke Gesichtshälfte hängt und ich lalle«, erzählt Dr. Anton Achhammer, der aufgrund der Symptome einen Schlaganfall befürchtete. Sofort fuhr ihn seine Frau ins Regensburger Bezirksklinikum, wo die Diagnose nicht lange auf sich warten ließ und seine Vermutung bestätigt wurde. »Ich hatte einen Blutdruck von 230, die Ärzte fragten mich, ob mir der hohe Blutdruck bekannt sei. Ich lachte und sagte, dass ich schon 30 Jahre nicht mehr beim Arzt war, weil mir nichts fehlte, ich nicht trinke und nicht rauche«, sagt er mit einem Schmunzeln. Nach zehn Tagen auf der Stroke Unit, einer spezialisierten Schlaganfall-Station, empfahlen ihm die Ärzt:innen eine neurologische Reha. Durch die Sozialberatung im Krankenhaus wurde er auf den Passauer Wolf Bad Gögging aufmerksam. »Das Gesamtbild hat mich einfach überzeugt, mein Wunsch war es auch, eine stationäre Reha zu machen, damit ich mich vollumfänglich auf meine Genesung konzentrieren kann«, sagt der 63-Jährige. Schon früh fällt im Bad Gögginger Team auf, mit welcher Haltung er an seine Genesung herangeht. Laura Huber, Leitung der Ergotherapie im Passauer Wolf Bad Gögging, erinnert sich: »Ich habe Herrn Dr. Achhammer als sehr motivierten und engagierten Menschen erlebt. Er hat für sich ganz klare Ziele formuliert, an denen er arbeiten wollte.« Genau diese Entschlossenheit prägte auch seinen Start im Passauer Wolf. 

Ein Mann führt unter Aufsicht einer Pflegerin Übungen durch.
Ein Mann führt unter Aufsicht einer Pflegerin Übungen durch.

THERAPIE, TRAINING UND TÄGLICHE ROUTINEN

Dr. Anton Achhammer ließ sich von Beginn an auf die Reha ein, nahm die Hilfe der Therapeut:innen an, probierte jede Übung, auch die ungewohnten, ging zu jeder Einheit, nutzte jedes Angebot, das ihm helfen konnte: Gangschule, Krafttraining, Gleichgewichtsübungen, Feinmotoriktraining. Auch über den Therapieplan hinaus habe er an sich gearbeitet. »Letztendlich habe ich mir selbst am meisten geholfen, weil ich jede Option genutzt habe. Man kriegt nach der Zeit ein Bewusstsein, wo es noch hakt und welche Übungen gut für einen sind. Kognitiv hatte ich keine Einschränkungen und konnte mich umso mehr auf meinen Körper konzentrieren«, so der Zahnarzt und ergänzt: »Am Anfang habe ich sogar etwas zu viel gemacht.« Seine Therapeutin bestätigt diese intensive Eigeninitiative: »Er wusste genau, was er wollte und wo er wieder hinkommen möchte. Er hat sich aus allen Therapieeinheiten sämtliche Übungen herausgepickt, die er in seine morgendliche Routine eingebaut hat.« Dieses gezielte Üben sei, so Laura Huber, ein wichtiger Grund für seine schnellen Fortschritte gewesen. Motivation habe ihm vor allem das Schwimmen gegeben. Er schildert: »Das erste Mal im Bewegungsbad konnte ich nicht schwimmen, was mich sehr frustriert hat. Ich wollte es unbedingt wieder schaffen.« Mithilfe einer Schwimmnudel habe er die ersten Züge gemeistert und sich Stück für Stück an sein Ziel herangearbeitet, soweit bis er kein Hilfsmittel mehr benötigte.

Auch ein weiteres Hobby nahm er mit in die Reha: sein Saxophon. »Anfangs konnte ich keinen einzigen Ton sauber greifen – die Finger waren einfach zu unkoordiniert«, erzählt er. Doch wie bei seinen Therapien blieb er dran, übte in seiner freien Zeit und wagte sich Stück für Stück an vertraute Griffe heran. »Als dann irgendwann die ersten Töne wieder sauber kamen und ich ein kleines Stück spielen konnte, war das ein schönes Gefühl.« Ein weiterer entscheidender Motor seiner Motivation war sein klarer Wunsch, wieder in seinen Beruf zurückzukehren. »Ich hatte 30 Jahre lang meine eigene Praxis. Meine Frau, die Zahntechnikerin ist, und ich haben diese von Null aufgebaut. Mit Anfang 60 hat mich dann eine Kollegin aus dem Nachbarort gefragt, ob ich die Praxis zufällig verkaufen möchte«, erzählt Dr. Anton Achhammer und fährt fort: »Ich habe ihr gesagt, dass ich schon noch gerne zwei bis drei Jahre Vollgas geben will, da meine zwei Töchter noch in der Ausbildung sind. Wir einigten uns darauf, dass wir zwei Jahre eine Gemeinschaftspraxis führen und ich anschließend bei ihr angestellt bin.« Nun, so der Zahnarzt, wolle er nach der Reha wieder Stück für Stück bis zu seinem geplanten Renteneintritt Ende nächsten Jahres in seine geliebte Arbeit einsteigen. Wie Laura Huber erzählt, habe er sich dafür extra von seiner Frau ein Gebiss und sein Arbeitswerkzeug bringen lassen. »Er kam zu uns in die Ergotherapie und hat zusammen mit uns ein Modell gebaut, an dem er seine Arbeitsabläufe und das Werkzeughandling üben konnte«, erzählt die Ergotherapeutin. 

Ein Mann führt unter Aufsicht einer Pflegerin Übungen durch.
Zurück zur Routine: Dr. Anton Achhammer baute zusammen mit den Therapeut:innen ein Gebiss-Modell, an dem er gewohnte Handgriffe übte.

MIT PRÄZISION UND SORGFALT ZURÜCK

Gegen Ende des Aufenthaltes hatte Dr. Anton Achhammer im Alltag keine Einschränkungen mehr. »Wie es zuhause sein wird, und ob ich noch Probleme haben werde, wird sich zeigen.« Er ist dankbar dafür, wie gut sich seine körperlichen Funktionen erholt haben – und gleichzeitig entschlossen, weiterhin aktiv an seiner Gesundheit zu arbeiten. »Ich möchte meine Hand noch weiter stärken, da bleibe ich definitiv dran«, sagt er. Deshalb plant er, auch nach der Reha regelmäßig ergotherapeutische Übungen fortzuführen. Die Fortschritte, die er bisher gemacht hat, motivieren den 63-Jährigen, seine Feinmotorik weiter zu verbessern. Laura Huber bestätigt die deutlichen Fortschritte. »Beim Ersttermin war es für ihn zum Beispiel schwierig vom Stuhl aufzustehen, ohne sich einzuhalten. Gegen Ende des Reha-Aufenthalts fielen ihm die Kraft und Gleichgewichts- übungen deutlich leichter und das Aufstehen ohne Abstützen war für ihn wieder normal.« Das Schwimmen, das ihm während der Zeit im Passauer Wolf Bad Gögging so viel Halt gegeben hat, möchte Dr. Anton Achhammer unbedingt beibehalten. Zudem plant er, seine wiedererlangten Fähigkeiten im vertrauten Umfeld zu testen. »Ich möchte an meiner Verwandtschaft ausprobieren, wie sicher ich als Zahnarzt wieder arbeite«, sagt er mit einem Schmunzeln. Für ihn ist das ein wichtiger Schritt, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie präzise seine Hand inzwischen wieder ist – ganz ohne Druck, aber mit der gleichen Sorgfalt wie im Berufsalltag. Dr. Anton Achhammer geht mit einer Dankbarkeit, die nicht beschönigt, sondern gewachsen ist, und mit einer Zuversicht, die ihm niemand geschenkt hat. Er hat sie sich erarbeitet. 

Bildnachweis: Passauer Wolf

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Ausgaben: Frühling/Sommer 2026Patientengeschichte
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