Jahrhundertelang war das Lernen eher mit negativen Assoziationen belegt. Synonyme wie Pauken, Büffeln oder Eintrichtern erzählen davon: Lernen ist mühsam, eine ernste Angelegenheit. Spielen hingegen ist heiter und lustvoll. Das eine wollen, aber das andere müssen? Erkenntnisse der jüngeren Gehirnforschung und der Verhaltensbiologie zeigen, dass die vermeintlichen Gegensätze ganz wunderbar zusammenpassen.
NEULAND BETRETEN
Mitte des 20. Jahrhunderts entdeckten Gehirnforscher:innen, dass sich Synapsen, Nervenzellen, auch ganze Hirnareale nutzungsabhängig in ihrer Anatomie und Funktion verändern können. Synapsen stellen dabei die Verbindungen zwischen verschiedenen Nervenzellen (Neuronen) her, um Reize weiterzugeben. An jeder Nervenzelle befinden sich mehrere Synapsen, die sich zu einem komplexen Nervennetz verbinden (und dieses je nach Anforderung immer wieder auch umbauen können). Diese Neuroplastizität änderte unsere Vorstellung von den Fähigkeiten des Gehirns radikal.
DER WEG DURCHS LIMBISCHE SYSTEM
Das limbische System (von lateinisch Limbus für Saum) setzt sich aus mehreren Strukturen zusammen. Es besteht u. a. aus Hippocampus, Amygdala und Gyrus cinguli. Ankommende neue Reize passieren das limbische System. Dort werden die Reize bewertet: wichtig oder unwichtig? Sympathisch oder unsympathisch? Der Informationsinhalt wird mit bereits vorhandenem Wissen abgeglichen und in der Amygdala emotional bewertet. Wird ein Reiz als unangenehm oder störend empfunden, wird er womöglich gar nicht weitergeleitet. Lust- oder angstvolles Lernen können also komplett unterschiedliche Wege nehmen. Die Oberärztin der Neurologie im Passauer Wolf Ingolstadt Ermina Ljubijankic sagt: »Wenn wir mit Freude dabei sind, lernt es sich einfach leichter.«

NEUGIERWESEN SPIELEN GERN
»Alle Säugetiere (inklusive der Menschen) sind in ihrer Kindheit und Jugend Neugierwesen, die aktiv neue Situationen und Objekte aufsuchen und erkunden. Neugierverhalten zeigt viele Übereinstimmungen mit Spielverhalten, und beide Bereiche sind untrennbar mit dem Lernen verbunden«, schreibt der Verhaltensforscher Norbert Sachser in der Zeitschrift für Pädagogik 50. Beim spielerischen Lernen belohnt sich das Gehirn für jeden Erfolg selbst durch Freude: Menschen jeden Alters spielen, weil es ihnen Spaß macht. Man ist im Hier und Jetzt, die Regeln sind vertraut, man fühlt sich sicher. Spielen kurbelt das körpereigene Belohnungssystem im Gehirn an, das Glücksbotenstoffe wie Dopamin und Serotonin ausschüttet. Spielend Gelerntes hat somit die besten Chancen, im Gehirn gut vernetzt und dauerhaft gespeichert zu werden.
SPIELERISCH LERNEN
Beim Spielen werden selbst solche Fertigkeiten oder Inhalte wiederholt trainiert, die ohne den Anreiz des Spiels vielleicht gelangweilt hätten. Die Wiederholung und Intensität des Spieleindrucks sorgen dafür, dass die Synapsen als Verbindungsstellen zwischen den Nervenzellen aktiver werden: Das Gehirn lernt. In der Folge fällt es leichter, die spielend trainierten Abläufe oder Fähigkeiten abzurufen: Das Spielen wird zu einem starken Verbündeten des Lernens und findet seinen Platz auch zunehmend in der Rehabilitation.
Dank ausgereifter innovativer Technik bindet auch der Passauer Wolf sogenannte Gaming-Funktionen in den Rehabilitationsverlauf von Patient:innen ein. Denn: Spielen wirkt effektiv, macht Spaß und hilft beim »Dranbleiben«. Beim Passauer Wolf sind Spielen und Lernen keine Gegensätze, sondern passen wunderbar zusammen.
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