Mythen, Missverständnisse und Irrtümer ziehen sich hartnäckig durch das Fachgebiet der Urologie. Da wäre zum Beispiel dieses: Urologie? Das ist doch nur was für Männer. Falsch. Zwar gilt die Urologie bis heute als hauptsächlich männlich geprägt – sowohl im Hinblick auf die Patientenschaft wie auch auf die medizinischen Expert:innen. Tatsächlich ist die Urologie aber nie eine reine Männerdomäne gewesen. Denn Urolog:innen sind auf die Erforschung und Therapie von Erkrankungen der Niere, der Harnleiter, der Blase, der Harnröhre spezialisiert – mit denen sowohl Männer wie auch Frauen glücklicherweise ausgestattet sind. Zusätzlich sind Urolog:innen Expert:innen für die männlichen Geschlechtsorgane einschließlich der Prostata.
KULTURELLE PRÄGUNG UND KÖRPERLICHE NOT
Lange eingeübte kulturelle Gepflogenheiten vergrößern die Scheu, im Bedarfsfall urologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Wer spricht schon gerne über Inkontinenz? Gemäß der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e.V. sind in Deutschland aber rund 10 Millionen Menschen von Inkontinenz betroffen. Die Dunkelziffer liegt vermutlich sehr viel höher. Trotzdem findet das Thema kaum Platz in unserer Gesellschaft. Wir denken, das sollte sich ändern.
WAS BEDEUTET INKONTINENZ?
Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V. erklärt es so: »Inkontinenz nennt man die fehlende oder mangelnde Fähigkeit des Körpers, den Blasen- und/oder Darminhalt sicher zu speichern und selbst zu bestimmen, wann und wo er entleert werden soll. Unwillkürlicher Urinverlust oder Stuhlabgang sind die Folgen.«
Die Konsequenzen für Betroffene sind erheblich – sowohl auf körperlicher wie auch auf psychischer Ebene. So kann Inkontinenz zu Hautirritationen oder -entzündungen führen oder zu Blasenerkrankungen und Harnwegsinfektionen. Schlimmer noch aber sind die psychischen Folgen, die annähernd unvermeidlich sind. Aus Sorge vor peinlichen Situationen ziehen sich Betroffene aus dem sozialen Leben zurück. Sie vermeiden Einkaufstouren oder private und öffentliche Veranstaltungen, verzichten auf ihre Hobbys, schränken körperliche Aktivität ein, verabreden sich immer seltener mit Freunden und Bekannten. Die allmähliche soziale Vereinsamung frisst ihre Lebensfreude auf.
DRANG- ODER STRESSINKONTINENZ
Von Dranginkontinenz spricht man, wenn Urin oder Stuhl schon abgehen, bevor man die Toilette erreicht hat. Stressinkontinenz tritt dagegen bei körperlichen Anstrengungen auf, etwa beim Husten, Niesen oder Springen.
Übrigens: Es ist keine gute Idee, bei Inkontinenz weniger zu trinken. Flüssigkeitsmangel konzentriert den Urin, was die Blase reizt und den Harndrang verstärkt. Zudem kann Flüssigkeitsmangel zu Kreislaufproblemen führen.

URSACHEN EINER INKONTINENZ
Um die passende Therapie für die Beschwerden zu finden, ist daher eine Abklärung der Ursache(n) unerlässlich. So kann Inkontinenz als Symptom von neurologischen Krankheitsbildern auftreten, etwa bei Multipler Sklerose. Sie kann aber auch infolge einer Prostata-Entfernung entstehen oder eine ungewollte Nebenwirkung von Arzneimitteln sein. Bei Frauen tritt Inkontinenz häufig als Folge von Schwangerschaft und Geburt auf, die die Beckenbodenmuskulatur stark belasten. Auch eine hauptsächlich sitzende, bewegungsarme Lebensweise oder Übergewicht begünstigen die Entwicklung einer Inkontinenz.
WEGE AUS DER INKONTINENZ
Niemand muss sich heute mit Inkontinenz abfinden. Wir im Passauer Wolf Nittenau kennen Ursachen und Therapiemöglichkeiten und freuen uns darauf, Betroffene auf dem Weg zur Wiedererlangung der Kontinenz und zu neuer Lebensqualität zu unterstützen. Dabei steht am Anfang jeder Rehabilitationsmaßnahme immer ein ausführliches, offenes Gespräch, dass die Hoffnungen und Befürchtungen ernst nimmt, aber auch den Ursachen auf die Spur kommt. Gemeinsam mit den Betroffenen legen wir einen persönlichen Rehaplan und Etappenziele fest. Wie auch immer sich Ihre individuelle Rehazeit gestaltet, immer ist ein starker Freund an Ihrer Seite: Ihr Beckenboden.
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