Die Perspektive, mit der wir die Welt wahrnehmen, bestimmt unsere Wirklichkeit. Wie wir diese Perspektive ändern können und was das mit Selbstfürsorge zu tun hat …
Der wohl bekannteste Satz des amerikanischen Psychologen und Autors Wayne Dyer lautet: »Wenn du die Art änderst, wie du auf Dinge siehst, ändern sich die Dinge, die du ansiehst.« Das Beispiel vom Glas, das entweder halbvoll oder halbleer ist, zeigt das anschaulich. Die gleiche Sache, nämlich ein halb gefülltes Glas, wird durch die unterschiedliche Sichtweise verschieden gedeutet – optimistischer oder pessimistisch. Ändern wir die Perspektive auf eine Sache oder eine Erfahrung, dann verwandelt sich auch die Bedeutung.
DIE PERSPEKTIVE LÄSST SICH ÄNDERN
Menschen betrachten die Welt subjektiv, durch die Brille individueller Haltungen, Erfahrungen und kultureller Prägungen. Doch ist es möglich, die Perspektive zu weiten, zu verschieben, zu ändern. Verschieben wir unsere Sichtweise von negativ nach positiv, dann können sich Probleme in Chancen verwandeln – ohne dass sich die äußeren Umstände ändern müssen. Wie wir uns fühlen oder verhalten, hängt also auch davon ab, welche Perspektive wir auf eine Sache einnehmen.
Die Wahrnehmung Lenken
Auch Worte können unsere Wahrnehmung und unser Verhalten lenken. Eine Studie von Bargh, Chen und Burrows aus dem Jahr 1996 liefert ein schönes Beispiel: Studierende sollten aus ungeordneten Worten Sätze bilden. Eine Gruppe erhielt Begriffe, die mit dem Stereotyp »Alter« assoziiert sind, beispielsweise vergesslich, grau oder faltenreich, während die Kontrollgruppe neutrale Wörter erhielt. Die Teilnehmenden der »Alten-Gruppe« gingen nach dem Test deutlich langsamer den Flur entlang als die Probanden der Kontrollgruppe.
Sich selbst kennenlernen
Wer sich selbst wahrnehmen und gut für sich sorgen will, sollte seine Bedürfnisse kennenlernen. Welcher Raum in meinem Leben steht meinen Bedürfnissen zu? Spüre ich die Bedürfnisse meines Körpers? Ist mein Nacken verspannt? Will sich mein Körper auspowern? Vielleicht ist es Zeit, etwas zu trinken? Oder die Beine hochzulegen? Eine Bedürfnis-Liste kann hilfreich sein, um die Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse präsent zu halten. Mit wie viel Schlaf fühle ich mich wohl? Welche Nahrung tut mir gut? Wie viele Pausen möchte ich tagsüber einlegen? Welche emotionalen und sozialen Bedürfnisse habe ich? Was lässt sich wie in meinen Alltag integrieren? Was ist mir am allerwichtigsten?
Negativ wird positiv
Wie sprechen Sie über sich selbst? Schauen Sie sich einmal wohlwollend Ihre Selbstauskünfte an.Versuchen Sie dann, mögliche negative Aussagen positiv umzuformulieren. Vielleicht entwickeln Sie jetzt positive Glaubenssätze, die Ihr Selbstwertgefühl stärken und Ihre Stimmung verbessern. Dann wird womöglich aus einem »Immer muss ich alles allein machen«, ein »Ich kann ganz viel allein machen, aber auch andere um Hilfe bitten.« Oder aus »Ich habe keine Zeit für mich« ein »Ich kann mir Zeit für mich nehmen.« Kleben Sie Ihren Lieblingssatz an die Kühlschranktür, damit Sie ihn möglichst oft lesen.
Die eigene Vorstellungskraft nutzen
Mittlerweile belegen zahlreiche Studien, dass Visualisierung hilft, die eigenen Ziele zu erreichen. Mentale Praktiken wie die Visualisierung sind etwa im Leistungssport längst etabliert. Dabei stellen wir uns einen zu erreichenden Zustand so konkret und bildhaft wie möglich vor, sammeln positive Bilder, beispielsweise vom guten Verlauf eines Vorhabens, tummeln uns gut gelaunt auf der Siegesfeier, stoßen mit unseren Freund:innen an. Allein die Vorstellung vom Gelingen eines Vorhabens setzt schon positive Gefühle in Gang. Zweifel, Stress und Ängste lassen nach, das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten wächst, die Konzentration auf das Ziel steigt – lauter gute Voraussetzungen, um ein Ziel wirklich zu er-reichen. Regelmäßige Übung ist allerdings notwendig, um eine mentale Neuausrichtung nachhaltig zu verankern.
SELBSTFÜRSORGE — EINE SCHLÜSSELQUALIFIKATION
Getrieben vom Druck multipler Krisen, kombiniert mit beruflichen wie privaten Herausforderungen, der ständigen Erreichbarkeit, der Flut von beängstigenden Nachrichten, übersehen Menschen leicht, auf sich selbst zu achten. Doch aus Herausforderung kann dann schnell Überforderung entstehen, die etwa mit Erschöpfung, Stress- oder Angstzuständen, Schlafstörungen oder sozialem Rückzug einhergehen kann. Selbstfürsorge ist kein Luxus, sondern eine wichtige Investition in die eigene physische, emotionale und mentale Gesundheit. Menschen, die gut für sich selbst sorgen, stärken nicht nur die eigene Resilienz und Lebenszufriedenheit, sie pflegen auch ihre sozialen Beziehungen, sind oft gute Zuhörer:innen und unterstützen auch andere in schwierigen Zeiten. Selbstfürsorge ist weit mehr als ein Saunagang am Wochenende – es ist der Schlüssel zu einem selbstverantwortlichen, vitalen und zufriedenen Leben.
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